Da die am 17.3.2020 geplante Jahreshauptversammlung der BI Bürgerprotest Bahn aus bekannten Gründen nicht stattfinden konnte, und die Information der Öffentlichkeit unterblieb, möchten wir unsere Mitglieder und die interessierte Bürgerschaft auf diesem Wege über den Sachstand der Bahnplanung und unseren Standpunkt unterrichten.

Rückblickend haben wir gemeinsam mit unseren verbündeten Bürgerinitiativen (IG BOHR) und den Kommunen einen Etappensieg zu verzeichnen: die Neuplanung der Güterzugtrasse an der Autobahn – nach 15 Jahren intensiver Auseinandersetzung, durch konstruktive Kritik. Die enormen Kollateralschäden, welche die Bahn durch ihre ursprüngliche Planung der Durchleitung des gesamten Güterverkehrs durch die Ortschaften verursacht hätte, werden damit abgewendet.

Gerne hätten wir nun die Hände in den Schoß gelegt und unsere Bürgerinitiative aufgelöst.

Doch leider droht unseren Ortschaften durch die aktuelle Planung der Deutsche Bahn weiteres Unheil: die Neuverlegung der ICE-Gleise auf der Altstrecke durch die Ortschaften für Geschwindigkeiten bis 250 Km/Std., und zusätzlich sollen zwei weitere parallel verlaufende Überholgleise für den ÖPNV zwischen Riegel und Orschweier gebaut werden, d.h. durchgehend 4 Gleise durch die Ortschaften mit allen inzwischen bestens bekannten Belastungen für die Anlieger, u.a. Lärmschutzwänden bis 7 Meter Höhe.

Entgegen der aktuellen Bahnplanung, gab es bereits 2008 Überlegungen zum Neubau der ICE-Trasse an der Autobahn, gebündelt mit der Güterzugtrasse – damals war diese Variante aus juristischen Gründen ausgeschieden. Nach Einschätzung unserer BI überwiegen die Vorteile der ICE-Trasse an der Autobahn bei weitem: uneingeschränkte Nutzung der alten Gleise für den ÖPNV, kein Lärm und keine hohen Lärmschutzwände, beliebige ICE-Geschwindigkeit, beliebige Nutzung der 4 parallel geführten Gleise an der A5 (z.B. bei Störfällen), nur eine Baustelle außerhalb der Ortschaften, kein jahrelanger Schienenersatzverkehr, Halbierung der Anzahl neu zu bauender Brücken, kostengünstigste Variante.

Die Argumentation der DB, dass die 4 Gleise lediglich zwischen Riegel und Orschweier gebaut werden und dadurch der Flächenverbrauch im Vergleich  zur ICE-Trasse an der A5 bis Offenburg deutlich geringer ist, überzeugt aus folgendem Grund wenig. Auch im Rahmen der Klimaproblematik wird eine Verlagerung des Individual- und Güterverkehrs auf die Schiene wünschenswert und unverzichtbar sein; deshalb wird ein weiterer Ausbau des Schienennetzes stattfinden und es ist nur eine Frage der Zeit, wann dann der 4-gleisige Ausbau von Orschweier bis Offenburg erweitert wird. Wir haben dann den gleichen Flächenverbrauch wie bei der ICE-Trasse an der A5 mit allen Belastungen des unerwünschten4-gleisigen Ausbaues durch die Ortschaften. Wir bürden den nächsten Generationen die Nachteile der aktuellen Planung auf. Die zukunftsfähige Planung ist die ICE-Trasse an der A5.

Bereits die erste Veranstaltung der Bahn zur Neuplanung, die sogenannte „Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung“, verhieß nichts Gutes: die Bahnplaner präsentierten ihre Pläne; von einer Beteiligung der Bürgerschaft an essentiellen Entscheidungen konnte keine Rede sein. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Argumenten der Bürger und BI fand hier und bei weiteren Veranstaltungen nicht statt. Die gesamte Planung zwischen Weil am Rhein und Offenburg erfolgt von Süden nach Norden. Noch besteht die Möglichkeit der Umplanung ohne massiven Zeitverlust und Kosten. Noch hoffen wir mit der Bahn und der Verkehrspolitik ins Gespräch zu kommen, bevor die Offenlage erfolgt und erneute Einwände dann unumgänglich sein werden. Jedoch

 nur mit der Bestätigung durch unsere Bürgerschaft sehen wir uns veranlasst weiter zu handeln; die Resonanz ist für uns essentiell.